Den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen

Nach den endlosen Regentagen und -wochen kann man mit den Hunden wieder längere Waldgänge in Angriff nehmen. Selbst die Katze verlangt, wenn auch nur kurz, nach Sonnenstrahlen. Im Wald erkennt man kaum die alten Wege wieder - alles zugewachsen, eingeengt, die Maisfelder am Waldrand mannshoch. Man sieht den Wald vor lauter Gestrüpp nicht mehr. Dann denke ich: So geht es mir doch eigentlich auch - manchmal...

Zu Hause haben sich überflüssige Dinge angesammelt, die man nicht mehr benötigt. Der Frühjahrsputz wurde sowieso vergessen. Im Keller stapeln sich Altpapier, leere Dosen und Flaschen. Urlaubsmitbringel der letzten Jahre liegen verstaubt in irgend einem Regal neben veralteten TV-Zeitschriften. Die Schubladen quellen über von Dosen und Tüten mit Dingen, die eigentlich in ein Museum gehören. Mein Gott, wie funktioniert nochmal ein Atari? Wofür horte ich diese ganzen Ladegeräte? Ich habe keine Ahnung, zu welchem Gerät die eigentlich gehören. Die Handies gibt es schon lange nicht mehr. Ziemlich kurzlebig, diese Ganzkörper-Telefonzellen.

Aber wenn wir schon den Waldgang dazu missbrauchen, Pläne zum Aufräumen zu schmieden: Da war doch noch dieser Typ, der mit meiner letzten Freundin... Den hab ich ja noch in meiner Adressliste - also auch gleich löschen. Und seit Jahren schleppt man die wohl längst ungültige Telefonnummer der ersten Ex mit sich herum. Gut, die Nachbarn lass ich drin - kann ja sein, dass der Gerd von nebenan mal wieder beim Reifen wechseln helfen kann :-)

P's Adresse - ja, da hab ich nie mehr zurück geschrieben... immer ist etwas dazwischen gekommen. So lange her, jetzt wüsste ich nicht mehr, wie ich anknüpfen könnte. Schade eigentlich, aber was solls. Weg damit. Versiebt ist versiebt.

Ja, Adressbücher und Kontaktlisten ausmisten. Dann Netzwerke und Communities prüfen - hier lohnt es sich sehr wohl, ordentlich aufzuräumen - da kennt man doch keinen wirklich persönlich. Dieser zeitraubende Klickwettbewerb aber auch - endlich mehr Zeit für andere Dinge. Was mich bei den Communities noch wundert, dass dort oft Leute von früh bis Mitternacht klicken, einen Status nach dem anderen abgeben und wie wild Herzchen verteilen - obwohl die doch einen Laden haben oder auf dem Markt einen Stand. Haben die ihren Laptop um den Hals gebunden?

Mit einer Hand an der Kundenkasse - mit der anderen in der Community?

Ich habe oft den Gedanken, dass Communities eine riesige Einkaufsmeile mit vollen Auslagen und leeren Läden sind. Ich meine, wann machen die denn all die großartigen Dinge, von denen sie immer schreiben. Oder erzählen die von einem Leben, das es längst nicht mehr gibt? Spielen die vielleicht eine Art SimLife im Net? Was ist nun wirklich, und was nicht?

Die Türe stets offen lassen sollte man aber schon einigen lieben Menschen - aber welchen? Kurt und Rita, Bernd aus Frankfurt, Familie Esser ... ach ja: Omi.

Nichts zum Schreiben dabei im Wald. Wir machen uns einen Knoten ins Ohr. Das werde ich nach meiner Rückkehr wohl noch im Kurzzeitgedächtnis behalten haben. Wenden wir uns doch wieder der Natur zu - die eigenen Scheuklappen öffnen und Energie tanken.

Eigentlich ist es fürchterlich, dass mich das Net immer begleitet, sogar hier beim Stöckchenwerfen, oder ist das auch nur eine Simulation? Habe ich vorhin vielleicht meinen Kontakten gepostet, dass ich mit den Hunden in den Wald gehe? Einen Moment lang beutelt mich der verrückte Gedanke, dass ich am PC sitze und mir nur vorstelle, hier im Wald zu sein.

Müde und ausgelaugt ziehen mich die Hunde nach Hause. Jeder bekommt etwas zu trinken, ich dusche mich ausgiebig und lege mich danach gemütlich mit der Katze aufs Sofa. Und am Ende bleibt alles beim alten - lassen wir das Dickicht der Wälder und Netzwerke weiter wachsen und gedeihen. Im Herbst fallen die Blätter auch ohne meine Hilfe vom Baum.

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Die besten Bands der Welt

Puck Grünenwald: Litha

Eine Abschweifung - das Schreiben betreffend

Ein wenig zu faul zum Schreiben, aber mir ist vielleicht nach malen. Was nehmen wir für diesen Anlass? Dunkle Töne für die Umgebung... ja... Purpur und Schwarz. Zuerst den Bildhintergrund... man könnte Felsen ahnen und Bäume, hohe Bäume. Vielleicht ein Tannenwald. Oben in die Mitte setze ich eine sacht gelblichweiße Mondscheibe... noch fast vollständig rund... nächtliche Wolkenstreifen in pudrigem Grau.

Unmerklich heller werdende Töne zum Bildmittelpunkt hin... und da gehts durch: zinnoberrot und orange... leuchtendgelb... ich klatsche geradezu ein großes Feuer auf die Leinwand. Das ist ein Mittelpunkt, der die Augen fängt auf der eher kühlen Hintergrundkomposition... jetzt drücke ich aber jede Menge Tupfen auf die Palette... viele helle Farben. So, jetzt Strich auf Strich - es werden Menschen daraus. Sie sitzen um das schöne Feuer... lachen... essen. Andere stehn und sehn in die Flammen, fasziniert und hingerissen... Kinder sitzen überall dazwischen. Diese da auf dem Baumstamm haben Instrumente... kleine Trommeln und Flöten... der Frau da gebe ich eine keltische Harfe... ebenso dem Mann daneben.

Nicht ganz einfach mit den Saiten... aber man sieht sowieso nur die Reflexe des Feuers darauf. Das ist schon eine Menge Leben da auf der Leinwand... eine Gruppe von Leuten tanzt... ja, sie tanzen nach alter Art, im Kreis. Gefällt mir!! Da werden Becher geschwenkt und es wird nachgeschenkt... ein paar Fässchen habe ich schnell gepinselt. Man hört richtig das Prasseln der Flammen... man sieht auch, dass gesungen wird. Sie singen... nun, sie singen von Erinnerungen an alte Freundschaft und Verbundenheit, die sie von weit her berührt - nicht nur aus diesem Leben... sie singen für das Licht, das mit dieser Nacht wieder abnimmt, da die Tage wieder kürzer werden.

Sie beschwören das innere Licht und die Wärme mit ihren Liedern... denn das wird nie abnehmen, das wissen sie. Tiere haben gefehlt, tatsächlich gelingen mir einige große und struppige Hütehunde, die vollgefressen auf der Seite liegen und zufrieden im Schlaf mit den Läufen zucken... fertig. Die Sachen lass ich hier liegen... wer noch Ideen hat, bringe sie einfach auf die Leinwand.

Licht und Wärme... für uns eher selbstverständlich... bzw. nicht mehr an Zeiten gebunden. Für die Alten war das anders. Lebenswichtig und deshalb kostbar... und so feierten sie die Sonnwenden... wir werden es heute nicht mehr nachvollziehen können, wie ihnen zumute war und was es für sie bedeutete. Wenn wir in ein Lagerfeuer sehen oder eine offene Flamme lange betrachten, überkommt uns vielleicht eine Ahnung... so ein Gefühl. Es ist immer gut, über manche Begrifflichkeiten wie Freundschaft oder Licht zu meditieren... sie wirklich zu be-greifen und ihre tatsächliche Art zu spüren. Macht aus den Worten keine abgegriffenen Chips, die von Hand zu Hand gehen und kaum einen Wert besitzen außer dass sie schön klappern in der Hand.

Euch allen ein schönes Litha...

© Text mit freundlicher Genehmigung von Puck Grünenwald / Pressenet www.pressenet.info

(Das Lithafest ist einer der acht Hexensabbate und ein Fest, das an der Sommersonnwende am 20. oder 21. Juni gefeiert wird. Dieses Fest wird neben den traditionellen Mittsommerfeiern in Skandinavien auch im deutschsprachigen Raum begangen.)

Christiane Rühmann - Geschichten

Manfred Dechert - An den Dichterkollegen mit dem rollenden R

Wenn mal Tote Autos fahren
Verwundert uns wohl dies Gebaren
Sitzt jedoch ab und an ein Dichter drin
Ergibt sich ein skuriller Sinn
Etwas bizarr etwas makaber, aber –
Viel schöner als Theologengelaber
Wenn ein guter Dichter Urlaub hat –
Ziehts in heim, in seine Stadt

Wenn Ringelnatz mal für einen Tag
Die Welt etwas chaotisch machen mag
Verrückte Dinge das Herz nun berühren
Wird er uns zu neuen Reimen führen
Wenn Dichter K. nun über meine Schulter schaut –
Weiß ich: dies Gedicht wird in seinem Geist gebaut
Nur frisch voran und mit rollendem rrr…
Und mach Dir Deinen Reim doch nicht so schwerr..

Wenn mal Hunde Porsche fahren
Wird sich mancher energisch verwahren
Jedoch stellt sich die Frage eher dahingehend –
Fährt der Hundefahrer vooorheerseeheend
Fährt er so dann stets verkehrsbewußt
Strahlt der Tierfreund: Ich habs ja gewusst
Lasst doch öfters Tiere an das Steuer –
Dies belebt das Straßenbild doch ungeheuer

Wenn mal die Welt ganz irre scheint
Und mit Staunen oder Schauen nun vereint
Frägt sich der irritierte Straßengänger
Geht der liebe Wahnsinn nun noch länger –
Oder kehrt der Alltagswahnsinn wieder ein –
Nein, dann lasst doch lieber
Tiere Tote Dichter und Verrückte
Piloten unseres Herzens sein

Wenn der Dichterfreund K. mit frohem Schritt
Und rollendem R wieder ins Quadrat nun tritt
Frisch erholt und mit flottem Wort
Erzählt er von Literaturgesprächen dort
Bevor er seine Limericks auspackt und
Überzieht und überzieht und überzieht –
Wird er gerade deswegen von uns geliebt
Wenn ein guter Dichter von drüben Urlaub hat –
Ziehts in heim in seine Stadt

Anmerkung: Dichter „K“ ist in dem Fall der Dichterkollege Adolf Kutschker, Mitglied auch bei den Mannheimern „Räubern“, der achtzigjährig verstarb. Kutschker war ein Mannheimer Literatur-Original, das in der Tradition von Heinz Ehrhardt Verse, Reime, Limericks und Prosa vortrug, und „das literarische Quadrat“, einen Literatentreff, leitete.
Über Manfred Dechert: http://raeuber77.de/Dechert.html
Text mit freundlicher Genehmigung von Manfred Dechert
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musik, kunst, lyrik, satire

Verheiratet

Verheiratet ist nicht nur ein Wort, sondern ein ganzer Satz.

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Amazon Rainforest Club

Kann man sich ... ?

Kann man sich denn nicht lieben ohne alles zu erzwingen?

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Sebastian Burckhardt

Lyrik von Elisabeth Zimmerer - Narrenpossen

Lachend zogen Wohlstandsnarren
einstmals einen schweren Karren
hochbeladen mit den Dingen
die sie nicht entbehren mochten
über Täler, Berg und Höhn.

Doch sie dachten, dies Gefährt
sei erst halbvoll und nichts wert.
Andere Narren sagten ihnen
was sie unbedingt noch brauchten
um im Kreise der erlauchten
Anspruchsdenker mitzuziehen.

Wie sie rannten, wie sie schafften
wie sie Geld zusammenrafften!
Alles mögliche sich kauften
und dann auf den Wagen luden
bis er endlich überquoll.

Lehnten keuchend sich sodann
an die mächtge Fuhre an
zogen hin und schoben her
zerrten kreuz und liefen quer,
bis der Karren seitwärts kippte
und sie unter sich begrub.

Unversehrt, doch leicht benommen
sind dem Fuhrwerk sie entkommen
um zu sehn, wie mit viel Krach
landet just ein Teil der Habe
im vorbeifließenden Bach.

Als er so am Ufer stand
sagte drauf der Narrenvater,
eigentlich sei es ganz richtig,
daß der Krempel baden ging.
Denn mit weniger Ballast
könnt man besser weiterziehen!

Was sie brauchten, was auch wichtig
das sei ihnen doch geblieben.
Allerdings muß er sich fragen:
Kann man Narren denn belehren
oder sie sogar bekehren?

Was sie erlebt, ob sie`s verstehen?
Das ist noch nicht vorauszusehen.

© Text mit freundlicher Genehmigung von Heidrun Musser www.heidrun-musser.de
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Christiane Rühmann - Geschichten

Lyrik von Friedrich Treber - Oase des Augenblicks

Mondlicht, Schneespiegel
wirft es durch's Fenster.
An meiner Schulter
dein Gesicht:

Schutzstarre ledig,
Lichthauch von innen,
Schönheit, die Wachlauer
in dir versperrt.
Zufallskind Nähe
ließ es sie sickern?

Wohlig im Wärmebett
deines Körpers
seh' ich zwei Wege
bleiben in sich.
Weiß ohne Trauer:
Erwachen schon findet
beide im Rückzug
zum eigenen Pol.

Mehr, wie man sagt, ist
uns nicht gegeben.
Mehr wohl forderte
ich nicht, nicht du.
Mehr, wem wög' es so
schwer, es zu kaufen,
willig zu opfern von
Haben und Soll?

© Text mit freundlicher Genehmigung von Friedrich Treber. Der Künstler und Schauspieler Friedrich Treber, Jahrgang 1943, ist Lehrer im Ruhestand und lebt im pfälzischen Pirmasens.

Werkverzeichnis Friedrich Treber:
Ein Geschenk für Lehrer Müller? Weinheim, 1994
Sitzengeblieben. Weinheim 1994
Glaube, Liebe, und so weiter. Weinheim 1998
Alleine hält das keiner aus! Weinheim 1999
CD: Steine und Blumen. Laura Records, Eisenberg/Thüringen 2005
CD: Von der anderen Seite. Laura Records, Eisenberg/Thüringen 2008

musik, kunst, lyrik, satire

Puck Grünenwald: Was wäre wenn...

...Cheops nicht auf seinen Baumeister gehört hätte,
...Kleopatra nicht die Idee mit dem Teppich gehabt hätte,
...Alexander lieber in den Tavernen herumgehangen hätte,
...Montezuma entschlussfreudiger gewesen wäre,
...Gaius Julius Cäsar an dem Tag zu Hause geblieben wäre,
...die Hebräer nicht in Gefangenschaft geraten wären,
...Theoderich als Kind gestorben wäre,
...Boudicca ihren Kampf gewonnen hätte,
...wenn... wenn... wenn... wo wären wir, wäre ich, wärest Du?

Wen liebten wir, liebtest Du... wen liebte ich... ?
Wer wärest Du, wären wir - wären wir die, die wir sind?

© Text mit freundlicher Genehmigung von Puck Grünenwald

Pfaffelnews