Die Alten

Es gibt sie schon, die "reichen" Alten. Die mit Vermögen... sicher. Aber das sind eigentlich weniger die, die ich täglich auf der Straße sehe. Was ich sehe, sind andere Alte.

Die alte Frau mit der Gehhilfe, die immerzu hin und her pendelt zwischen der Innenstadt und ihrer Wohnung im Randgebiet. Das ist mühsam... und oft fragt sie nach Hilfe. Sie kann den Fahrplan nicht mehr lesen. Oder sie braucht ein, zwei Münzen. Verwickelt die Leute in ein Gespräch. Man geht ihr aus dem Weg, sie ist dafür schon bekannt. Und wenn ich in Eile bin, tu ich es auch. Eigentlich will sie nur dabei sein... sie ist seit langem allein.

Der alte Mann... Rentner seit langem... für ganz wenig Geld hält er kleine Grünflächen in Ordnung und säubert den Gehsteig. Er trägt einen Blaumann und hat ein Rad dabei. Nicht um damit zu fahren... das kann er nicht mehr so richtig. Aber er transportiert seine Arbeitsutensilien damit... erst gestern gingen wir hinter ihm her. Er schob es die Straße hinauf... mühsam... oh, so mühsam. Das Geld wird ihm helfen, vielleicht... es ist kaum etwas. Aber er will sich auch gebraucht fühlen, denke ich. Noch etwas wert will er sein, ein arbeitender Mensch. Das kennt er aus seiner Jugend... nur einer der schafft, ist etwas wert.

Ja und ich sehe und höre, wie man sich über die beiden lustig macht... man lacht über den Mann, wenn er auf den Knien ist und Unkraut aus den Ritzen der Pflastersteine rupft.

Und ich denke mal wieder an Kurt Tucholsky, der da meinte: "Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte."

© Text mit freundlicher Genehmigung von Puck Grünenwald / Pressenet www.pressenet.info 

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